Radweg Viernau Schwarza

 

Ist die jetzt verfolgte Variante für die Radwegeverbindung von Viernau nach Schwarza wirklich ernst gemeint oder gibt es einen tieferen Sinn?

 

Traum oder Wirklichkeit, ein geeigneter Radweg nach Schwarza
Protestierende auf der Einfahrt nach Schwarza. Bleibt eine gute Radwegeverbindung ein Traum? © ADFC/Karsten Pehlke

Der "Radwegebau" zwischen Schwarza und Viernau soll beschlossene Sache sein. Aber die geplante Variante sorgt für Kopfschütteln. Für den Weg war gespendet worden. Dem Vernehmen nach fordern erste Spender ihr Geld zurück.

"Als Radweg zwischen Schwarza und Viernau ist die gewählte Variante nicht geeignet. Die Mittel waren für einen alltagstauglichen Radweg vorgesehen und nicht dazu, im Wald Wege zu verbessern und Brücken zu bauen, die Radfahrern nicht ernsthaft helfen." So Christine Pönisch vom ADFC Südthüringen.

Anstatt auf kürzester Strecke mit leichter Steigung von Schwarza nach Viernau zu fahren, soll eine in dem betreffenden Abschnitt mehr als doppelt so lange Strecke gebaut werden. 1.800 m Radweg in der Aue stehen knapp 4 km Radweg über den Berg entgegen. Anstatt 16 m Höhenunterschied  zu überwinden, sind es 75 m, mit Steigungen bis zu 10%. Aus jeder Richtung fast 2 km bergauf. 5 1/2 min Fahrzeit werden durch 30 min Fahrzeit für fitte Radfahrer ersetzt. Ein Alltagsfahrer legt für Hin- und Rückweg zusammen fast eine Stunde drauf. Welcher Radfahrer oder Fußgänger würde sich für die lange und anstrengende Variante entscheiden und nicht stattdessen die kürzere, aber gefahrvolle Strecke auf der Straße wählen? Soll das dann ein "selbst schuld" rechtfertigen, wenn das nächste Verkehrsopfer zu beklagen ist?

"Damit wird die Situation nicht entschärft. Ausflugsmöglichkeiten in den Wald gibt es bereits. Einer Ausschilderung würden wahrscheinlich nur Ortsunkundige ohne Navigationsgerät folgen. Hier wird kein Anreiz geboten, das Auto stehen zu lassen." sagt die Spezialistin vom ADFC Südthüringen. 

 

Verständlich also, dass bei den Radfahrern große Enttäuschung über diese Entscheidung herrscht. Und da hilft es auch nicht, dass vielleicht eine endgültige Lösung irgendwann nach 2030 durch die Aue kommen soll. Wenn die L1131 ausgebaut werden wird, was noch nicht entschieden ist. Zudem hilft es nicht, insgesamt mehr Geld als erforderlich ist, auszugeben, nur damit die Bauverwaltung des Landes im Zuge des Straßenbaus Probleme löst, die viel besser jetzt, konkret und vor Ort gelöst werden könnten.   

Es ist bedauerlich, dass seit 16 Jahren über Lösungen diskutiert wird, ohne dass Untersuchungen oder Planungsstände der Varianten konkret mit ihren Problemen benannt wurden. Es wurde immer nur abstrakt von Kosten und von Problemen mit den Grundstückseigentümern gesprochen. Auch ist nicht bekannt, ob je versucht wurde, diese Probleme zielgerichtet einer Lösung zugzuführen.

  • Was genau kosten die Varianten? Hier gab es Aussagen, die fernab jeder Erfahrungswerte vergleichbarer Radwege liegen. Gibt es qualifizierte Kostenschätzungen?
  • Welche Flächen und wie viele genau lassen sich nicht erwerben oder tauschen? Wurden Gespräche mit Flächeneigentümern gemacht? Wurden ihnen Angebote unterbreitet und Möglichkeiten aufgezeigt?
  • Welche konkreten Vorbehalte haben Träger öffentlicher Belange und welche Möglichkeiten gibt es darauf einzugehen?
  • ...

Es ist völlig unklar, wie eine solche Lösung im Haushalt oder gegenüber Spendern, die für ein konkretes Vorhaben -den Radweg durch die Aue- gespendet haben, erklärt werden soll. Investitionsvorhaben setzen nach Haushaltsrecht Variantenuntersuchungen voraus. Vorausgesetzt, die unzureichenden Waldwege werden ausgebaut, dann wird hier die teurere und ungeeignetere Variante verfolgt. Teurer aufgrund der Wegelänge, zuzüglich des zusätzlichen Brückenbaus. Es werden Fördermittel für den Radwegebau zweckentfremdet und stattdessen eine Zuwegung in den Wald und Wegebau im Wald finanziert sowie mit einem Radwegeschild verschönert. Der Spendenzweck wurde geändert. Die Mittel müssten zurück gezahlt werden. Zudem müsste es alternaive Routenführungen geben, damit bei Rückarbeiten im Forst Umleitungen zur Verfügung stehen. Hier werden Wirtschaftswege genutzt, die bei und nach Benutzung oft lange Zeit unpassierbar sind.

Um so enttäuschender, da es breiten Konsens dafür gibt, dass der Radweg dringend erforderlich ist. Beim Bürgermeister, bei der VG und im Landkreis sowie bei den vielen Menschen, die sich für den Radweg bisher eingesetzt haben. Der Lückenschluss von 2,5 km im Radwegenetzt zwischen Schwarza und Viernau ist im Radverkehrskonzept des Landkreises Schmalkalden-Meiningen nun bereits seit 10 Jahren enthalten. Damit soll von Norden her der Anschluss an den Rhön-Rennsteig-Radweg hergestellt und auch die Verbindung zum Haseltal- und Werratal-Radweg im Süden geschaffen werden. Vor allem aber ruft der Alltagsradverkehr danach! Für die Fahrt zur Arbeit, die Fahrt zum Einkaufen, den Besuch eines Cafes oder einfach nur einen Spaziergang mit dem Hund. Eine Strecke, die zum Inliner fahren und für Kinderwagen, Rollstuhl und Rollator geeignet ist. Das bedeutet Alltagstauglichkeit und Alltagstauglichkeit ist Priorität Nr. 1 für die Radwegeförderung.

Auch hat es bereits Todesopfer gegeben. Die heutige L1131 müssen sich Pkw's, Lkw's, Schwerlasttransporte und Zweiradfahrer, auch nicht motorisierte, teilen.  Für letztere Gruppe, also die Fahrradfahrer, ein riskantes Unternehmen. Der Verkehr ist rasant gewachsen. Die Straße nicht! Mit dieser absurden Trassenführung werden die Radfahrer weiter auf die Straße gezwungen. Eine Radwegebenutzungspflicht greift nur bei straßenbegleitenden Wegen. 

Die jetzt geplante Trasse soll von Schwarza her gut 800 m auf der L1131 verbleiben, dann rechts über die Schönau (seit Jahren nicht passierbar, da keine Brücke mehr vorhanden ist) und weiter durch den Wald, auf dem Forstweg zwischen Bauerberg und Hessental, zu den Ebertshäuser Teichen und  zurück auf die L1131 verlaufen. Bergauf, bergab, ab nicht vorhandener Brücke knapp 4 km lang. Genauso soll er noch in diesem Jahr (2022) realisiert werden. Ein Weg zum Wandern oder Mountainbiken, für Forstwirtschaft und Jagd. Kein Weg für den Radverkehr!

Dem Vernehmen nach will der Landkreis dieses nicht alltagstaugliche und eher fahrradunfreundliche Projekt mit 100.000 Euro fördern. Die Talvariante sei aus verschiedenen Gründen nicht zu realisieren. Doch für diese Variante hat keiner gespendet. So kann mit Bürgern nicht umgegangen werden. Es sollte ein Weg für die Bürger vor Ort werden. Seit gut 16 Jahren ist der Radweg im Gespräch. Die Planung des Trassenverlaufs und stundenlange Beratungen haben viel Geld und Zeit verschlungen. Praktisch ist nichts herausgekommen. 


https://thueringen.adfc.de/neuigkeit/radweg-viernau-schwarza-1

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