Geraer Radverkehr in Aufbruchstimmung
Ein öffentliches Gespräch mit OB Kurt Dannenberg und dem Radverkehrsbeauftragten Christian Dietrich anlässlich der Landesversammlung des ADFC Thüringen in Gera vermittelte deutlich positive Signale zur Entwicklung des Radverkehrs in der Stadt.

Am Wochenende standen der Geraer Oberbürgermeister Kurt Dannenberg und der Radverkehrsbeauftragte Christian Dietrich auf Einladung des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) Thüringen in den schönen Smart-City-Räumlichkeiten der Gera Arcaden einem interessierten Publikum Rede und Antwort zur Entwicklung des Radverkehrs in der Stadt.
Gleich zu Beginn machte der Oberbürgermeister klar: Dort, wo er aufgewachsen ist – in Ostfriesland – fahren alle mit dem Rad, und so ist es für ihn selbstverständlich, für Innenstadttermine in Gera ebenfalls das Rad zu nutzen. Umso deutlicher ist ihm bewusst, an wie vielen Stellen es hier an guter Radverkehrsinfrastruktur fehlt: „Es gibt viel zu wenige Radwege - und auf den wenigen zu viele Hindernisse.“ Die Stadt wurde über Jahrzehnte hinweg als autogerechte Stadt entwickelt und Bedürfnisse des Rad- und Fußverkehrs vernachlässigt.
Mit der Umsetzung des 2024 erstellten Integrierten Radverkehrskonzepts soll sich das ändern, Radfahren soll sicherer und attraktiver, der Umweltverbund insgesamt gestärkt werden. Das Konzept - einschließlich einer Mindestinvestition von je 200.000 € in Neubau und Unterhaltung jährlich - ist vom Stadtrat bestätigt und für alle verkehrlichen Investitionsvorhaben zu berücksichtigen. Nach Ansicht des Radverkehrsbeauftragten Christian Dietrich bildet es eine gute Grundlage für Verkehrsplanung. Allerdings kann nicht alles so schnell umgesetzt werden, wie viele Bürger wünschen. Dazu sind äußere und auch immer noch innere Widerstände zu überwinden, Sachargumente abzuwägen, Grundstücke zu besorgen und vieles mehr.
Dennoch sind Fortschritte sichtbar: So wurde jüngst der Radweg nach Dorna wieder in Betrieb genommen. Die für den Hochwasserschutz gebauten Wirtschaftswege entlang der Weißen Elster sollen gemäß einer Vereinbarung mit dem Land von der Stadt als Radwege genutzt werden können - das spart doppelte Investition und Flächen. Auf der Straße des Friedens Richtung Krankenhaus ist für 2027 zumindest bis zum Dahliengarten die Einrichtung einer Fahrradspur geplant.
Damit Stadtrat und Verwaltung den sehr sinnvollen und überfälligen Ausbau der Radverkehrsinfrastruktur gemeinsam voranbringen, ist wichtig, dass sie selbst Erfahrungen mit dem Rad sammeln, wie Christian Dietrich betonte. Mit Menschen, die die verschiedenen Perspektiven kennen, lassen sich auch größere Herausforderungen angehen, wie u.a. die Anbindung der umliegenden Orte an die Stadt.
Aus dem Publikum gab es konstruktive Vorschläge etwa zur Einrichtung von Schulstraßen, z.B. in der Friederici-Straße, zur Etablierung von Schülerfahrgemeinschaften (sog. Bicibussen) oder zur Sensibilisierung aller Verkehrsteilnehmenden mit Blick auf geltende Regeln und ein rücksichtsvolles Miteinander. Oberbürgermeister und Radverkehrsbeauftragter nahmen diese Vorschläge gern entgegen.
„Es war eine sehr sachliche und von gegenseitiger Wertschätzung geprägte Diskussion und die Zeit viel zu kurz, um alle Fragen und Anregungen zu besprechen. Daher sollten wir ein ähnliches Format mit der Stadt wiederholen“, resümiert Karsten Pehlke, Vorsitzendes des ADFC Thüringen.
Eine gute Möglichkeit für alle Geraer Bürger, ihre Anregungen an die Stadt einzubringen, bietet der aktuell laufende ADFC-Fahrradklima-Test, eine deutschlandweite Umfrage zur Zufriedenheit der Radfahrenden mit den Radverkehrsbedingungen vor Ort. Zudem lädt der ADFC in Gera regelmäßig zu seinem Stammtisch ein, der jeweils am letzten Dienstag im Monat 19 Uhr im Podium (Schlossstraße) stattfindet und einen guten Rahmen für den Austausch rund ums Rad in Gera bietet.
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