Radverkehrsplan Jena 2035+ – Gremiendiskussion hat begonnen

Nach beinahe zwei Jahren Arbeit mit intensiven Diskussionen und Bürgerbeteiligung ist der Radverkehrsplan als Beschlussvorlage in den politischen Gremien. Den Auftakt gab der Stadtentwicklungs- und Umweltausschuss in seiner Sitzung am 18.1.2024

Warum braucht Jena den Radverkehrsplan 2035+?

  • Weil der Radverkehr einen bedeutenden Anteil der innerstädtischen Mobilität ausmacht
  • Weil dem Radverkehr nahezu nirgendwo der notwendige Platz eingeräumt wird
  • Weil sich viele Radfahrer auf der Fahrbahn nicht sicher fühlen und daher auf die Gehwege ausweichen
  • Weil mehr Menschen Rad fahren würden, wenn die Infrastruktur für den Radverkehr besser wäre
  • Weil wir die Verkehrswende nur schaffen können, wenn wir bessere Angebote schaffen, sowohl im ÖPNV als auch für den Radverkehr
Logo des Radentscheid Jena

Radverkehrsplan 2035+  VERTEIDIGEN

Donnerstag, 22.02.2024: 16 Uhr Critical Mass am Holzmarkt; 17 Uhr Stadtentwicklungs- und Umweltausschuss im Rathaus

Mittwoch, 28.02.2024: 16:30 Uhr Kundgebung am Rathaus; 17 Uhr Stadtratssitzung im Rathaus

Kommt vorbei und bringt Eure Klingeln mit.

 

 

Radverkehrsplan 2035+ geht in die Entscheidungsphase

Nach beinahe zwei Jahren Arbeit mit intensiven Diskussionen ist der Radverkehrsplan endlich als Beschlussvorlage in den politischen Gremien. Den Auftakt gab der Stadtentwicklungs- und Umweltausschusses in seiner Sitzung am 18.1.2024. Das Planungsbüro RV-K stellte das fertige Konzept gemeinsam mit dem Team Verkehrsplanung der Stadt Jena vor. Für uns sprach Barbara Albrethsen-Keck, die frühere Vorsitzende des KV Jena-Saaletal und erfolgreichste Unterschriftensammlerin des Radentscheids, die die Stadträte nachdrücklich aufforderte, den Plan ohne Abstriche zu verabschieden. Trotz, aus unserer Sicht, vielen Mängeln und manchen Lücken im vorgeschlagenen Radverkehrsnetz ist der Plan ein Meilenstein für den Ausbau der Radverkehrs-Infrastruktur in der Stadt.

Warum hatte der Radentscheid Jena in der Sitzung Rederecht? Weil das Bürgerbegehren, für das im Sommer 2021 über 8000 Unterschriften in Jena gesammelt wurden, einen Stadtratsbeschluss in Jena herbeiführte, der die meisten Forderungen des Radentscheids aufgriff und einen finanziellen Rahmen festlegte.
Tatsächlich sind dadurch schon Verbesserungen zu bemerken, durch viele kleinere Maßnahmen wie z. B. die Freigabe von Einbahnstraßen für den Radverkehr und den Ausbau der Abstellanlagen.

In der Sitzung war aber auch festzustellen, dass, wenn es konkret darum geht, den ruhenden oder fließenden Autoverkehr nur etwas zu beschneiden, der Gegenwind stärker wird. Bis zur Verabschiedung, hoffentlich noch in dieser Legislaturperiode, wird noch heftig gerungen werden.

 

Jetzt brauchen wir Euch!

Am 22.2.2024 steht die dritte Lesung des Radverkehrsplans 2035+ im Stadtentwicklungs- und Umweltausschuss an – Änderungsanträge besonders von den Kritikern eines Ausbaus der Fahrradinfrastruktur sind schon vorangekündigt. Ob es an diesem Tag wirklich zu einer Verabschiedung kommt, ist nicht klar. Eine weitere Verzögerung könnte dazu führen, dass der Radverkehrsplans 2035+ in dieser Legislatur nicht mehr verabschiedet und damit im schlimmsten Fall hinfällig wird.

Es gilt Präsenz zu zeigen, um den Stadträten und Ausschussmitgliedern deutlich zu machen, dass der Radverkehrsplans 2035+ kein Auswuchs der Stadtverwaltung, sondern der Wunsch der Einwohnerinnen und Einwohner unserer Stadt ist.

Am 22.2.24 um 16 Uhr treffen wir uns am Holzmarkt, um in einer spontanen Critical Mass die Innenstadt zu umrunden und vor dem Rathaus mit einer Kundgebung zu enden.

 

Radverkehrsplan 2035+  - Was steht drin?

Die Stadt Jena hat das Planungsbüro RV-K mit der Konzeptionierung des Radverkehrsplans beauftragt. Das geplante Radnetz, die Streckenmaßnahmen und Punktmaßnahmen sind hier einsehbar: Link zum WebGIS des Planungsbüros RV-K

Uns ist an dieser Stelle wichtig zu betonen: Der Radverkehrsplan 2035+ ist kein Luxusgeschenk an Rad fahrende Öko-Freaks. Nein, er ist ein Angebot an die gesamte Bevölkerung Jenas, sich eines Tages ohne Angst um die eigene körperliche Unversehrtheit auf das Fahrrad zu schwingen. Gerade Kinder, aber auch Senioren, trauen sich nicht auf die Fahrbahn, nicht einmal in den Wohngebieten, weil die parkenden Autos Platz und Sicht nehmen und Autofahrer es oft an der notwendigen Rücksicht mangeln lassen. Also ziehen sie sich auf die Gehwege zurück und bedrängen die Fußgänger. Ein Teufelskreis, in dem es nur einen Gewinner gibt: den Kfz-Verkehr.

Wir reden hier nicht von einer kleinen Minderheit. Erst kürzlich, am 8.1.2024, hieß es in der TLZ, dass thüringenweit 36% der Berufstätigen stets mit dem Rad zur Arbeit fahren, unter Azubis sogar 40%. Mehr als ein Drittel! Nehmen wir an, dass ein weiteres Drittel den ÖPNV benutzt, dann wären es vielleicht noch 30% der Berufstätigen, die ein Auto nutzen. Prima! Aber warum überlassen wir diesen 30% über 90% der öffentlichen Verkehrsflächen, warum wird die gesamte Verkehrsplanung nur auf den motorisierten Verkehr ausgerichtet? Gerecht ist das nicht.

Der jetzt vorliegende Radverkehrsplan ist der behutsame Versuch, dieser Ungerechtigkeit etwas entgegenzusetzen.

Radikale Maßnahmen enthält er nicht. Weder wird eine autofreie Innenstadt gefordert, noch eine Fahrradspur auf der Stadtrodaer Straße zwischen Stadtzentrum und Lobeda. Aber natürlich enthält er Maßnahmen, die den Autoverkehr tangieren, ja tangieren müssen, denn Verbesserungen für den Radverkehr lassen sich nicht auf Gehwegen erzielen, sondern auf der Fahrbahn. Auf der Fahrbahn müsste dem Radverkehr sein eigener Raum zugewiesen werden.

In den jetzt vorliegenden Radverkehrsplan 2035+ ist diese Forderung allerdings nur in Form von neu zu schaffenden Fahrradstraßen eingeflossen – Wohngebietsstraßen, die für den Durchgangsverkehr gesperrt werden und auf denen der Radverkehr Vorrang hat. Das tut – nüchtern betrachtet – keinem Autofahrer weh. Gleichwohl gibt es Widerstand von Stadträten und Ortsteilräten, werden Wohngebiete als bedeutsame Verbindungen – nennen wir es beim Namen: Abkürzungen – für den Durchgangsverkehr definiert.

Ein anderer Aufreger ist der vorgeschlagene Wegfall von Parkplätzen an einigen Stellen. Auch das wollen wir einmal objektiv betrachten: Will man 20-30% der Verkehrsteilnehmer, nämlich die Radfahrer, angemessen berücksichtigen, muss man den Straßenraum neu aufteilen. Natürlich fällt der Blick da auf den Parkraum. Man muss sich fragen, woher Mieter das Privileg herleiten, den privaten Pkw kostenfrei bzw. für einen Appel und ein Ei direkt vor der Haustüre im öffentlichen Raum abzustellen und dadurch allen anderen Menschen einen erheblichen Teil dieses Raumes wegzunehmen, während die Stadt auf die Straßenerhaltung noch draufzahlt. Wer den Klimaaktionsplan und den Beschluss zur Verbesserung des Radverkehrs in Jena ernst nimmt, der muss auch an solche heiligen Kühe ran. Aber auch hier gilt: Der jetzt vorliegende Radverkehrsplan 2035+ ist ein Kompromiss, der weder ein generelles Parkverbot im Damenviertel vorsieht, noch die sofortige Einrichtung einer „protected bike lane“ am östlichen Löbdergraben.

Für die Radfahrer Community ist dieser Radverkehrsplan 2035+ – ehrlich gesagt – nicht befriedigend, denn von durchgehenden Fahrradachsen in Nord-Süd oder Ost-West-Richtung ist man weit entfernt. Aber es ist der Kompromiss, den man gerade noch mittragen kann. Ein Kompromiss, der punktuell Verbesserungen bringt, mancherorts sogar signifikante Verbesserungen. Als Beispiel seien die vorgeschlagene neue Saalebrücke zwischen Jena Ost und Wiesencenter oder der fahrradgerechte Ausbau der Unterführung unter der Stadtrodaer Straße am Paradiesbahnhof genannt.

Die Stadt Jena hat sich im Juli 2021 das Ziel gesetzt, bis 2035 Klimaneutralität zu erreichen. Im Oktober 2021 hat der Stadtrat die Entwicklung des Radverkehrskonzepts unter Berücksichtigung der Kernziele des „Radentscheid Jena“ beschlossen. Im April 2023 stimmte der Stadtrat dem Klimaaktionsplan zu. Die Zustimmung zu diesem RVP ist der nächste konsequente Schritt in Richtung Klimaneutralität für Jena bis 2035. Viel Zeit haben wir nicht mehr, konkrete Schritte sind notwendig, und zwar Schritte, die wir alle im Alltag spüren, die aber letztendlich zu einer lebenswerten und gesunden Stadt Jena führen!

Link zur Pressemeldung der Stadt Jena über die Vorstellung des Radverkehrsplans 2035+:
https://rathaus.jena.de/de/groesser-und-sicherer-jenas-radwegenetz-waechst


https://thueringen.adfc.de/neuigkeit/radverkehrsplan-jena-2035-gremiendiskussion-hat-begonnen

Häufige Fragen von Alltagsfahrer*innen

  • Was macht der ADFC?

    Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) setzt sich mit seinen mehr als 200.000 Mitgliedern mit Nachdruck für die Verkehrswende in Deutschland ein. Wir sind überzeugt davon, dass eine gute, intuitiv nutzbare Infrastruktur, gut ausgearbeitete Radverkehrsnetze und vor allem Platz für Rad fahrende Menschen auch dazu einladen, das Fahrrad als Verkehrsmittel zu benutzen. Wir möchten eine sichere und komfortable Infrastruktur für den Radverkehr, damit sich Fahrradfahrende in jedem Alter sicher und zügig fortbewegen können. Hierfür setzen wir uns auf politischer Ebene ein. Zugleich sind wir Ansprechpartner zu allen Fragen rund ums Fahrrad - vom Tourismus über die Technik bis hin zu den rechtlichen Rahmenbedingungen.

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