ADFC | Mädchen auf Rädern

Mit dem Rad zur Schule © ADFC e.V. / Deckbar

Selbstständig zur Schule? – Aber sicher!

Am Montag startet in Thüringen das neue Schuljahr. Viele Eltern stehen vor der Frage: Wie kommt mein Kind sicher zur Schule? Der ADFC Thüringen e.V. ruft dazu auf, Bus, Bahn, Fahrrad oder Roller zu nutzen oder zu Fuß zu gehen.

Wer kennt es nicht: das allmorgendliche Verkehrschaos vor Schulen, wenn zahllose Kinder aus zahllosen Autos steigen, den Ranzen schnappen und zur Schultür eilen, während ihre Eltern mit laufendem Motor darauf warten, dass sie sicher dort ankommen. Der elterliche Wunsch nach Sicherheit bewirkt aber gerade das Gegenteil: Unsicherheit. Denn durch das hohe Verkehrsaufkommen, riskante Fahr- und Wendemanöver, unerlaubtes Halten in Kreuzungsbereichen und Halteverboten oder die Behinderung von Schulbussen werden sowohl die aussteigenden Kinder als auch die zu Fuß oder mit Rad oder Roller kommenden Kinder gefährdet.

Und nicht nur das: Eltern, die ihr Kind täglich mit dem Auto zur Schule fahren, nehmen ihm damit eine wichtige Erfahrung, nämlich die des selbstständig zurückgelegten Schulwegs. Dabei ist diese Erfahrung entwicklungspsychologisch ungemein wichtig: Der Schulweg ist oft die erste regelmäßig allein zurückgelegte Strecke. Hier werden Verkehrs-, Orientierungs- und Sozialkompetenzen ausgebildet. Die Eigenverantwortung stärkt das Selbstvertrauen auch für andere Lebenssituationen. Außerdem starten Kinder und Jugendliche, die sich schon vor Unterrichtsbeginn bewegen, gut in den Schulalltag, können sich besser konzentrieren und sind ausgeglichener. Und ganz nebenbei beugt der aktiv zurückgelegte Schulweg Übergewicht und anderen gesundheitlichen Problemen vor.

„Wer seinen Kindern etwas Gutes tun möchte, sollte das Elterntaxi stehen lassen. Die Freude am Fahrrad- oder Rollerfahren, auch bei vermeintlich „schlechtem“ Wetter, und die Gespräche mit Freunden auf dem Schulweg, die so im Klassenzimmer niemals stattfinden würden, können Kinder nur erleben, wenn sie die Möglichkeit erhalten, ihren Schulweg möglichst selbstständig zurückzulegen“, erklärt Frieda Nagler, Co-Vorsitzende des ADFC Thüringen. 

Daher ruft der ADFC Thüringen e.V. dazu auf, für den Weg zur Schule das Auto möglichst selten zu nutzen und stattdessen Bus, Bahn, Fahrrad oder Roller zu fahren oder zu Fuß zu gehen. Zum guten Gelingen des selbstständigen Schulwegs kann jeder auf seine Weise beitragen – hier ein paar Tipps:

  • Der beste Schulweg: Nicht immer ist der kürzeste Weg zur Schule der beste. Eltern sollten einen möglichst verkehrsarmen Schulweg mit wenigen Kreuzungen, Einfahrten und Überquerungen aussuchen. Schulen können Schulwegepläne erstellen, in denen die Wege eingezeichnet sind, auf denen man am sichersten zu Fuß oder mit dem Rad zur Schule kommt.
  • Üben ist wichtig: Der Schulbeginn ist für Kinder neu und ungewohnt. Häufig sind sie noch unaufmerksam und können Gefahren nicht richtig einschätzen. Das Beste ist es, den Schulweg in aller Ruhe schon vor Schulbeginn in beide Richtungen zu üben und dabei schwierige Stellen zu besprechen. Auch in der Schulanfangszeit sollten Eltern das Kind begleiten. Später können sie je nach Schulweg und Entwicklungsstand des Kindes entscheiden, wie viel Selbständigkeit sinnvoll ist.
  • Lauf- und Fahrradfahrgemeinschaften: Sogenannte Lauf- und Bici-Busse erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Hierbei finden sich Gruppen von zu Fuß gehenden oder Rad fahrenden Kindern und Jugendlichen zusammen, die den Schulweg gemeinsam – und ggf. in Begleitung weniger Eltern oder Pädagog*innen - zurücklegen. An verabredeten Haltestellen können weitere Schülerinnen und Schülern hinzustoßen. So wird der Schulweg sicherer und macht mehr Spaß.
  • Fahrradfreundliche Schule: Ob Fahrradprojekttage oder Klassenausflüge mit dem Rad, die Teilnahme an der Aktion Schulradeln oder der Bau von Fahrradständern auf dem Schulgelände - für Schulen gibt es viele Möglichkeiten, Kinder und Jugendliche ans Radfahren heranzuführen und so den Umstieg vom Auto auf’s Rad zu erleichtern.
  • Hol- und Bringezonen: Ist das Auto tatsächlich die einzige Option, um das Kind zur Schule zu bringen, so sollten die Verabschiedung mit möglichst 250 m Mindestabstand zur Schule erfolgen und der verbleibende Schulweg zu Fuß zurückgelegt werden. Hierfür kann es sinnvoll sein, dass Schulen oder Elterninitiativen die Einrichtung von ausgewiesenen Hol- und Bringezonen beantragen.
  • Schulstraßen: Eine weitere Möglichkeit, um die unübersichtliche Situation durch Elterntaxis vor Schulen und Kindergärten in den Griff zu bekommen, ist die Einrichtung von Schulstraßen, d.h. temporären Durchfahrtsbeschränkungen zu den Stoßzeiten am Morgen und am Nachmittag. Auch diese können von Schulen oder Elterninitiativen beantragt werden.
  • Kindgerechte Infrastruktur: Über die konkrete Situation vor der Schule hinaus müssen Kommunen bei der Verkehrsplanung immer die Mobilitätsbedürfnisse von Kindern im Blick haben. Eine kindgerechte Infrastruktur ist einfach, verständlich und fehlerverzeihend.
  • Rücksichtnahme: Oberstes Gebot der Straßenverkehrsordnung ist die ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht. Dies gilt gerade auch Kindern gegenüber, die besonders darauf angewiesen sind, dass kleine Unachtsamkeiten durch die besondere Aufmerksamkeit der anderen Verkehrsteilnehmenden ausgeglichen werden. Hier sind alle gefragt!

Der ADFC Thüringen e.V. wünscht allen Schülerinnen und Schülern einen guten Start ins neue Schuljahr!


https://thueringen.adfc.de/pressemitteilung/selbststaendig-zur-schule-aber-sicher

Häufige Fragen von Alltagsfahrer*innen

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