ADFC-Bundesgeschäftsführerin Ann-Kathrin Schneider

ADFC-Bundesgeschäftsführerin Ann-Kathrin Schneider © ADFC/Deckbar Photographie

Doppelspitze der ADFC-Bundesgeschäftsstelle im Interview

 

Ann-Kathrin Schneider und Maren Mattner bilden die neue Doppelspitze der ADFC-Bundesgeschäftsstelle. Sie starten mit Schwung in die gemeinsame Zusammenarbeit und wollen den wachsenden Verband weiter politisch sichtbar machen und professionalisieren.

 

Das ADFC-Magazin Radwelt hat mit den beiden Geschäftsführerinnen über ihre Arbeitsfelder, Themen und Pläne gesprochen.

Wie entwickelt sich der ADFC?
Maren Mattner: Die Mitgliederentwicklung der letzten Jahre war sehr gut – der ADFC ist 2020 trotz Pandemie um knapp sieben Prozent gewachsen. Danach sah es im letzten Frühjahr erst nicht aus, weil die traditionellen ADFC-Messen und gemeinsamen Radtouren nicht stattfanden, die für die Mitgliederwerbung wichtig sind. Ab Juni 2020 stiegen die Mitgliederzahlen kräftig an, auch gegenwärtig ist die Mitgliederentwicklung stabil und hoch. Vor der Bundestagswahl wird der ADFC bei vielen bundesweiten Aktionen sichtbar sein, auch das wird sich in den Zahlen zeigen.

Mit den wachsenden Mitgliederzahlen und Aufgaben geht einher, dass die ADFC-Bundesgeschäftsstelle personell gewachsen ist. Trotz eines Umzugs vor einigen Jahren wird der Büroraum knapp. Bis 2025 werden wir durch die inzwischen eingespielten Möglichkeiten des mobilen Arbeitens Lösungen finden. Dann steht ein Umzug an, da die Bundesgeschäftsstelle und die Mitgliederverwaltung aus Bremen in Berlin wieder zusammengeführt werden.

 

Maren Mattner, ADFC-Bundesgeschäftsführerin
Maren Mattner, ADFC-Bundesgeschäftsführerin © ADFC/April Agentur/Medienagentur Zweiplus

MAREN MATTNER,
BUNDESGESCHÄFTSFÜHRERIN

Maren Mattner stieg bereits während ihres Studiums der Wirtschaftswissenschaften beim ADFC ein. 1997 wurde sie Assistentin des damaligen Bundesgeschäftsführers Horst Hahn-Klöckner, 1999 seine Stellvertreterin. Im Rahmen der Altersnachfolge wurde sie 2011 Kaufmännische Geschäftsführerin und führte die Geschäftsstelle in einer Doppelspitze, zuerst mit Burkhard Stork und nun mit Ann-Kathrin Schneider.
Maren Mattner ist zuständig für Finanzen, technische Ausstattung der Bundesgeschäftsstelle und für die Mitarbeiter*innen der Mitgliederverwaltung, Telefonzentrale, Buchhaltung und EDV sowie für die Bereiche Tourismus und Dienstleistungen.
 

 

ADFC ist ein Verein, der verändert und gestaltet

Mit dem Dienstantritt von Ann-Kathrin Schneider wurden die Aufgabenfelder der Geschäftsführung neu aufgeteilt. Zum Arbeitsbereich der kaufmännischen Bundesgeschäftsführerin sind auch der Tourismus und die Dienstleistungen hinzugekommen. Wie kam es dazu?
Maren Mattner: Die touristischen Projekte des ADFC wie der Radurlaubsplaner Deutschland per Rad entdecken, die Auszeichnungen der ADFC-Qualitätsradrouten und der ADFC-RadReiseRegionen sowie die verschiedenen Dienstleistungen wie die Auszeichnung „Fahrradfreundlicher Arbeitgeber“ gehören zum wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb. Hier war ich auch bisher involviert, daher lag es nahe, diese Aufgabenbereiche zu übernehmen.

Es ist mir außerdem ein besonderes Anliegen, dass die finanziellen Mittel, die dem Gesamtverband zur Verfügung stehen, dorthin fließen, wo sie zur weiteren Professionalisierung unserer Arbeit besonders dringend gebraucht werden. Daran, die finanziellen Handlungsspielräume insbesondere der kleineren Landesverbände nachhaltig zu verbessern und auch örtliche Gliederungen bei entsprechenden Vorhaben gezielt zu unterstützen, arbeiten wir gerade.

Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit Ann-Kathrin Schneider. Wir haben schon viele konstruktive Gespräche geführt und uns viel vorgenommen: Der ADFC soll nicht nur politisch wahrgenommen werden, sondern vor Ort auch als ein Verein, der verändert, gestaltet und dem man gerne beitritt. Das Fahrrad ist mehr als nur ein vernünftiges Verkehrsmittel: Radfahren macht Spaß und verbindet uns, sei es über gemeinschaftliche Radtouren oder über den Austausch von Touren, Tipps und über Technik.

Klimaschutz noch stärker im ADFC verankern

Wie waren die ersten Tage als politische Bundesgeschäftsführerin?
Ann-Kathrin Schneider: Ich merke, dass ich morgens lächelnd ins Büro radele, und schätze mich glücklich, beim ADFC zu sein. In den ersten Tagen habe ich u. a. die unterschiedlichen Projekte und Themenfelder kennengelernt, mit denen sich der ADFC beschäftigt. Ich habe Gespräche mit dem Vorstand, den Landesgeschäftsführenden und den Kolleg*innen in der Bundesgeschäftsstelle geführt – und dabei sehr viel Zuspruch und Herzlichkeit erfahren. Zu meinen Aufgaben gehört es, den ADFC nach außen und in der Politik weiter gut sichtbar zu machen. Den Klimaschutz möchte ich noch stärker im Verband verankern und ihn hier kompetent positionieren.

Gleichzeitig muss ich auch nach innen wirken, ein großes Team führen, für Strukturen sorgen und Arbeitsprozesse voranbringen. Das ist ein Spagat. Aber ich freue mich sehr darauf, denn mir war sofort klar: Das will ich machen!

Auch dass der ADFC den Themen mehr Frauen und mehr Vielfalt im Verband so große Aufmerksamkeit schenkt, freut mich. Je diverser der ADFC ist, desto stärker kann er zu einer besseren Verkehrspolitik beitragen und die Interessen der vielfältigen Verkehrsteilnehmer*innen vertreten. Die Verkehrswende ist nicht nur für das Klima gut, sondern auch für ein lebenswertes, sozial gerechtes, vielfältiges und menschenfreundliches Umfeld.

Ann-Kathrin Schneider, ADFC-Bundesgeschäftsführerin
Ann-Kathrin Schneider, ADFC-Bundesgeschäftsführerin © ADFC/Deckbar

ANN-KATHRIN SCHNEIDER,
BUNDESGESCHÄFTSFÜHRERIN

Ann-Kathrin Schneider hat in London, Amsterdam und Berlin Internationale Studien und Internationales Recht studiert. Sie hat zuletzt als Leiterin Internationale Klimapolitik den Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) im internationalen Netzwerk Friends of the Earth vertreten. Davor war sie in einer Klimaschutz-Kampagne für Oxfam Deutschland und als Direktorin für den Bereich Südasien bei der Gewässerschutz-Organisation International Rivers tätig. Seit August 2021 ist Ann-Kathrin Schneider die politische Bundesgeschäftsführerin des ADFC und für die Bereiche Politik und Kommunikation und deren Mitarbeiter*innen zuständig.

 

Mehr Gerechtigkeit auf den Straßen

Was war der Ansporn, die Aufgabe der politischen Geschäftsführung im ADFC zu übernehmen?
Ann-Kathrin Schneider: Nach vielen Jahren internationaler Klimaschutzarbeit ist es Herausforderung und Ansporn zugleich, Veränderungen anzustoßen, die direkt vor meiner Haustür sichtbar werden. Mehr Sicherheit und Lebensqualität sind ohne wachsenden Radverkehr nicht zu erreichen. Der Verkehrssektor bleibt ein Sorgenkind beim Klimaschutz und wenn wir das Fahrradland Deutschland bis 2030 erreichen wollen, muss sich jetzt viel ändern.

Mobilität wird täglich vor der eigenen Haustür entschieden und es muss selbstverständlich werden, die Wege mit dem Rad oder zu Fuß zurückzulegen – nicht nur in der Stadt, wo es viele Alternativen zum Auto gibt, auch auf dem Land. Dafür brauchen wir Lösungen wie einen gut getakteten ÖPNV, Haltestellen mit sicheren Abstellanlagen und Fahrradboxen, damit auch hier das Fahrrad oder Pedelec erste Wahl werden. Außerdem brauchen wir mehr soziale Gerechtigkeit in den Städten und auf den Straßen, so leben zum Beispiel an den stark befahrenen Straßen nicht diejenigen, die für Lärm und Abgase sorgen, sondern einkommensschwache Menschen.

Welche Aufgaben muss die nächste Bundesregierung angehen?
Ann-Kathrin Schneider: Die nächste Bundesregierung ist vor allem beim Klimaschutz gefragt und gefordert. Die Klimakrise ist spürbar und uns läuft die Zeit davon, deshalb werden wir als ADFC nicht lockerlassen: Die neue Regierung muss ein neues fahrradfreundliches Straßenverkehrsgesetz in den ersten 100 Tagen angehen – das gehört für uns in den Koalitionsvertrag und ist elementar für einen klima- und menschenfreundlichen sowie sicheren Verkehr. Und wir wollen erreichen, dass sich kommunale Politiker*innen nicht mehr dafür rechtfertigen müssen, wenn sie Tempo 30 oder Fahrradstraßen einrichten wollen.

Das Fahrrad ist für die meisten Menschen emotional positiv besetzt, die meisten können Rad fahren und haben auch ein Fahrrad zur Verfügung, daher bin ich mir sicher, dass das Fahrrad in den nächsten Jahren weiter rasant an Bedeutung gewinnen wird, weil es so viele Lösungen bietet, und dem kann sich die Politik nicht entziehen.

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